Angela Winkler

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Angela Winkler ist Schauspielerin aus Überzeugung, obwohl sie eigentlich Sängerin werden wollte. Ob Theater oder Film, sie hat mit vielen großen Regisseuren gearbeitet. Nun erscheint wohl doch etwas überraschend ihr Debüt-Studioalbum “Ich liebe dich, kann ich nicht sagen” – Chansons und Lieder auf Deutsch – mit kleiner Besetzung. Über das Leben, die Liebe, Verlust, Veränderung. Weise, verletzlich, und doch immer voller Neugier. Sie verleiht Schlagern, Volksliedern, Chansons oder modernen Popsongs ihre ganz eigene Note.

“Warum singt sie denn jetzt, im Rentenalter” – könnte man fragen. Aber Angela Winkler singt, weil sie Lust darauf hat, und sie schon immer gesungen hat. Und diese Lust, die Freude an der Musik ist auf ihrem CD-Debüt permanent präsent. Sie intoniert deutsche Klassiker – der Text macht die Musik: Bertolt Brechts “Ballade vom ertrunkenen Mädchen”, klar, Altmeister Brechts Texte bleiben ihr naturgemäß ein Anliegen, wen wundert es nach Hauptrollen in u.a. “Mutter Courage” und “Die Dreigroschenoper”? Das “Heideröslein” von Johann Wolfgang von Goethe, “Eine Zigarette lang” von Eva Busch, “Gelohnt hat es sich nicht” von Sven Regener… halt! Ein Stück des Sängers von Element Of Crime? Ja, warum nicht, Regener selbst schlug es vor für eine Aufnahme und war beglückt, dass “die große Winkler” sein Lied singt. Einst hatte Angela Winkler Sven Regener einen Brief geschrieben, wie beeindruckend Sie seine Texte und Lieder findet. Und Sophie Hungers “Walzer für Niemand” ist dabei – Angela Winkler überrascht, mit gesungener Literatur, koketter Leichtigkeit, zeitgenössischen Brechungen, unaufdringlichem Witz.

Zwischen mädchenhaft und unnahbar, einfach und stolz, naiv und weise gebietet die schmale Frau mit ihrer zarten Stimme eine anmutende Präsenz die Stimmung der sechzehn höchst unterschiedlichen Titel.

In knappen vier Tagen nahm sie das Album mit Adam Benzwi am Flügel und Olaf Casimir am Kontrabass auf, live im Emil Berliner Studio. Ganz so, wie in den 50er bis frühen 70er Jahren Jazz und Chanson-Interpreten wie Hildegard Knef und Marlene Dietrich ihre Aufnahmen machten. Akkordeon, Geige und Bratsche stammen von Anne de Wolff, das Vibraphon von Martin Wenk. Für die Aufnahmen und Mixe zeichnete der Grammy-ausgezeichnete Rainer Maillard verantwortlich (Max Raabe & Das Palastorchester, Anna Netrebko, Ulrich Tukur).

Angela Winkler macht Musik, wie sie Theater spielt: zerbrechlich, überschwänglich, voller Neugier – gemäß ihrer Maxime “Es muss nicht alles perfekt sein, das Leben spielt mit dir, und du musst mitspielen”.

Aufs erfolgreich (Mit)Spielen versteht sich Angela Winkler schon lange: Als gelernte medizinisch-technische Assistentin landete sie wie selbstverständlich auf der Bühne: Die Schauspielschule bestand sie schließlich mit einem Liedvortrag, “Ich weiß nicht zu wem ich gehöre”, ebenfalls auf der CD zu hören. In den 1970er Jahren war sie an der Berliner Schaubühne unter Peter Stein, 1975 erhielt sie für die Hauptrolle von Volker Schlöndorff’s Heinrich Böll-Verfilmung “Die verlorene Ehre der Katharina Blum” den Bundesfilmpreis. Später spielte sie Oskar Matzerath’s Mutter in Schlöndorff’s mit einem Oscar ausgezeichneten Verfilmung von Günter Grass’ “Die Blechtrommel”. In den 1980er Jahren spielte Angela Winkler unter Peter Zadek am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg 1999 wurde sie für ihre Rolle als “Hamlet” in der europaweit gefeierten Inszenierung von Peter Zadek zur Schauspielerin des Jahres gewählt. Aber sie ist nicht nur als Schauspielerin erfolgreich, auch ihre Stimme ist präsent: Im März 2011 erhielt die Hörbuchproduktion “Das Geisterhaus” nach dem Jahrhundertroman von Isabel Allende den Deutschen Hörbuchpreis 2011.

Was auch immer sie tut, sie legt ganz selbstverständlich selbst Hand an. Denn obwohl die 68-Jährige oft als “ewig junge Kindsfrau bezeichnet” wird, ist Angela Winkler eigentlich eine Macherin: Als Mutter von vier Kindern (die jüngste Tochter Nele wurde mit Down-Syndrom geboren und ist am Berliner Theater RambaZamba ebenso als Schauspielerin tätig), renovierte sie neben ihrer Karriere mit ihrem Partner, dem Bildhauer Wigand Wittig, sechs abbruchreife Häuser in Deutschland, Italien und der Auvergne, Frankreich.

Mit dieser gehörigen Portion Selbstbewusstsein und Neugier wagt sie sich auf ihrer Debüt-CD auch an Schlager und Schmonzetten wie Édith Piafs “Schau mich bitte nicht so an”. Wie für ihre Film- und Theaterrollen arbeitete sie auch beim Musizieren mit von Hand geschriebenen Texten, eigenen Hervorhebungen und Unterstreichungen. Ganz ohne beißende Ironie verleiht sie so Textzeilen eine unschuldige, mädchenhafte Note. Diese Schlager klingen charmant-altmodisch und zugleich ein bisschen gebrochen.

Und immer wieder tauchen auf dem Album Stücke der französischen Chansonnière Barbara auf, die in Deutschland fast unbekannt ist: “Nantes”, “Sag, wann bist du bei mir”, “Paris im August” und der Albumtitel “Ich liebe dich, kann ich nicht sagen” – “Ich könnt für dich alle Sterne zählen. Schon für ein Lächeln tät ich das/Ich ging zum Betteln und zum Stehlen. Ich tät für dich, wer weiß nicht was/ Wenn ich bei Nacht und auch am Tage verrückt vor Liebe nach dir bin,/verlang` nur eins nicht: dass ich sage, “ich liebe dich.” Ich brings nicht hin. “Naiv, zerbrechlich, ein bisschen Knef, ein bisschen Lolita, ein bisschen Varieté – Angela Winkler schafft mit ihrem Debüt “Ich liebe dich, kann ich nicht sagen” einen “Wohlfühlrahmen”, der auch Publikum ins Theater und auf die Kulturbühne locken sollte, dass vielleicht sonst nicht im Zuschauerraum säße.

Zur Zeit spielt Angela Winkler unter anderem am Berliner Ensemble in Zadek’s Inszenierung von “Peer Gynt” und in Robert Wilson’s “Dreigroschenoper” als Jenny, außerdem an der Berliner Schaubühne in Thomas Ostermaier’s Inszenierung von “John Gabriel Borkmann”, und an der Seite von Eva Mattes, Christian Redl und Uwe Bohm in “Arsen und Spitzenhäubchen” am St. Pauli Theater Hamburg.Die Hauptrolle in der “Lulu”-Inszenierung von Robert Wilson für das Berliner Ensemble (Musik: Lou Reed) und aktuell u.a. in “Dantons Tod”.

Musikalisch konnte das Publikum Angela Winkler 2010 zusammen mit Max Raabe, Thomas Quasthoff und Udo Samel bei Konzerten mit dem Volkslieder-Programm “Die Gedanken sind frei” hören und erleben. Während in aller Welt einheimisches Liedgut selbstverständliche Popularität und Pflege genießt, tut man sich in Deutschland schwer ein volkstümliches Lied anzustimmen. Die vier Virtuosen befanden es für allerhöchste Zeit, sich unverkrampft mit dem Mond, der aufgegangen ist, und den Gedanken, die frei sind, zu beschäftigen. Mit genau dem Volkslied-Repertoire, das hierzulande gerne als Kinderkram oder Kulturschande abgetan wird, tatsächlich aber ein Schatz ist.

Auf der Leinwand war sie zuletzt in Tom Tykwers viel beachtetem Film “Drei” zu sehen und mit Hanna Herzsprung und Lars Eidinger im von Roland Emmerich produzierten Horrorfilm “Hell”.

Copyright Fotos:
Harald Hoffmann, Archiv Angela Winkler

 

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Grimmepreis für “Altersglühen – Speed Dating für Senioren”

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Das Projekt von Buchautor und Regisseur Jan Georg Schütte und Cutter Ulf Albert war ein ganz besonderes Projekt, sowohl das Konzept als auch die Besetzung. Dreizehn Schauspieler treffen auf 19 Kameras, finden kein Drehbuch, müssen sich ganz auf ihre eigene Improvisationskunst verlassen, und drehen dieses wunderbare Werk in nur 2 Tagen.
13 einsame Herzen zwischen Ende 60 und Mitte 80 suchen wie die Jungen: Liebe, Nähe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Abenteuer, Halt. Der Besetzung mit u.a. Hildegard Schmal, Senta Berger, Angela Winkler, Mario Adorf, Matthias Habich und Michael Gwisdek ist mit “Altersglühen” ein filmisches Antidepressivum gelungen: hochkomisch, bewegend, rührend, heiter und traurig. In der Pressemitteilung des Grimme Instituts heißt es: “Bitte mehr davon, hinaus ins Offene!”

Foto: Harald Hoffmann

Angela Winkler gibt Konzerte mit “Ich liebe dich, kann ich nicht sagen”

awMit Ihrer bislang einzigen Lied- und Chanson-CD gibt Angela Winkler mit ihrem aus Adam Benzwi (Klavier), Melanie Barth (Akkordeon) und Otwin Zipp (Kontrabass) bestehenden Quartett weitere Konzerte am 13.12. in Berlin am Berliner Ensemble und am 22.3. am Schauspiel Leipzig.
Der Tagesspiegel schrieb: “Wie fühlt es sich an, wenn Angela Winkler singt? Wie der Staub, den ein Schmetterling auf der Haut hinterlässt, wenn er davon fliegt. Wie ein Rosenblatt im Wind. Wie ein Gesicht im Sand, bevor die Flut kommt. Vergänglich, zärtlich, zärtlich, hingetuscht, hingehaucht. So fragil und zerbrechlich und doch so selbstbewusst, mädchenhaft und übermütig: charmant und herb zugleich. In dieser Stimme haben alle Gegensätze Platz.”
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